Wie finde ich MEIN passendes Tattoo Motiv?

Tattoo-Stile: so vielfältig wie ihre Künstler

Motive gibt es wie Sand am Meer, sie sind so vielfältig wie die Welt bunt ist. Genau so verhält es sich mit Stilrichtungen: von abstrakten geometrischen Figuren bis hin zu atemberaubendem Farbrealismus ist alles möglich.

Wir möchten Dir verschiedene Tattoo Stile vorstellen, damit Du einen breitgefächerten Überblick über die vielseitige Welt des Tätowierens bekommst. Dann siehst Du vielleicht etwas klarer, was die Wahl Deiner Tattoo Vorlage angeht.

 

Die Gründe, sich ein Tattoo stechen lassen zu wollen sind unterschiedlich, ebenso die persönliche Beziehung dazu. Manche möchten einfach ein schönes Bild auf ihrem Körper tragen, andere verbinden mit dem Motiv Erinnerungen, einen Menschen oder besondere Erlebnisse. Hier gibt es kein “gut“ oder „schlecht“ – eine Tätowierung zu wollen ist eine sehr persönliche Entscheidung, deshalb solltest Du Dir nicht reinreden lassen oder gar die Wünsche anderer berücksichtigen.

Viele Sujets entspringen alten Traditionen und haben tiefe Bedeutungen für ihre ursprünglichen Träger. Auch aus diesem Grund solltest Du Dir überlegen, ob Du Dir zum Spaß etwas tätowieren lässt, zu dem Du, bis auf den ästhetischen Aspekt, keinen Bezug hast.

Wir haben diese Liste, (die nebenbei keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt!) in die unterschiedlichen Stile gegliedert. Manchmal überschneiden sich die Kategorien oder sind variabel, wie etwa Schriftzüge: diese können in klarem s/w gehalten werden oder mit Farben aufgehübscht werden, außerdem können Motive hinzugefügt werden (siehe Feder + Spruch etc). Abgesehen davon: vielleicht inspiriert Dich diese Sammlung ja zu einem Mix aus unterschiedlichen Stilen. Ein tolles Beispiel ist der unglaublich talentierte Yogi Barrett von Searchlight Tattoo aus Centerville, GA. Er mischt detaillierten Portrait-Realismus mit Oldschool Motiven.

 

 

 

Lettering/Schriftzüge

 

Wie der Name schon sagt, hier geht es um Schrift und Text. Vom einzelnen Wort bis zum großflächigen Text, alles ist möglich. Hier kannst Du auch über den Tellerrand denken, will sagen, abseits der üblichen Tattooschriften. Gute Tätowierer können die gewünschten Worte wie gedruckt aussehen lassen. Hier ist es besonders wichtig, dass Du einen guten Artist erwischst, denn Schriften verzeihen keine Fehler! Buckelige Linien, feinste Unterschiede in der Schriftgröße oder Laufweite sind sofort sichtbar: da wir ständig von Schrift umgeben sind, ist unser Auge Experte darin, Abweichungen von der Norm festzustellen.

Die Schrift kann auch mit Motiven zusammengebracht oder in Formen eingebunden werden. Hier gilt ebenfalls: mit dem richtigen Künstler an der Hand ist alles möglich!

 

Eigentlich Common Sense, wir sagen es trotzdem dazu: prüfe vorher die Rechtschreibung, Google ist gerne behilflich. Es gibt einfach zu viele Beispiele von Typos und peinlichen Fehlern in Letterings.

 

https://www.instagram.com/p/_Mi7_EK41X/     (Studio: @jennybtattoo_goettingen)

 

 

Tribal

 

Geliebt und gehasst: die modernen Tribals sind stark vereinfachte und abgewandelte Motive, die mit ihrer ursprünglichen Bedeutung, der Stammestätowierung verschiedener Urvölker, nichts mehr gemein haben. Jeder Künstler kann sie entwerfen und auf die Wünsche des Kunden anpassen, ganz ohne spirituellen Hintergrund. Moderne Tribals können mit Farben kombiniert werden, durch Schatten an Tiefe gewinnen oder gänzlich pechschwarz mit scharfen Kanten daher kommen.

 

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Ethno

 

Ethno Tattoos leiten sich heute oft von traditionellen Maori oder polynesischen Ornamente und Formen ab oder kopieren diese. Ursprünglich entstand diese Art der Tätowierungen im neuseeländischen Großraum, die einzelnen Stile innerhalb der Stammestätowierungen unterscheiden sich jedoch stark. Trotzdem einen sie ihre klaren, geometrischen Formen, die über das Leben der Person, die sie trägt, berichten. Die klassichen Maori Tattoos und polynesischen Formen sollten in reinem Schwarz gehalten werden.

 

Studio: @tribal_manufaktur

 

Realistic/Portrait

 

Dieser Stil bildet die Realität möglichst detail- und naturnah ab und ist deshalb die größte Herausforderung für Tätowierer. Die Themen sind auch hier vielfältig. Ob Dinge, die in der Realität vorkommen oder Fantasythemen, sorgfältig gestochen können Menschen, Landschaften oder fiktive Gestalten lebendig wirken . Am häufigsten sieht man Portraits, Tiere und Gegenstände, es kann von schwarz-weiß über Sepia bis hin zu knallig bunt alles verwirklicht werden.

 

Studio @blackrainbowtattootheatre

 

 

Dotwork

 

Unendliche viele kleine schwarze Punkte vereinen sich zu einer Form. Im eigentlichen Sinne wird gänzlich auf Linien verzichtet und die Motive bewegen sich zwischen Geometrie und Mandalas. Oft wird Dotwork jedoch als Stilmittel verwandt und mit Blackwork vermischt, um Schattierungen und Tiefen zu erzeugen.

 

Studio: @purelovetattoo

 

 

Blackwork

 

Blackwork bezeichnet das Arbeiten mit klaren, schwarzen Linien und Flächen, auf Verläufe und Grau wird weitgehend verzichtet. Dieser Stil hat in den letzten Jahren großen Zulauf erhalten, die sozialen Photosharing-Plattformen sind voll davon. Die Motivauswahl geht von realistischen Motiven, die vereinfacht oder stilistisch dargestellt werden bis hin zu abstrakten Formen. Gut gestochen halten diese Tätowierungen fast ewig, da Outlines und schwarze Flächen (aus welchen sie meist ausschließlich bestehen) besonders haltbar sind. Oft wird dieser Stil mit Dotwork gemischt, dabei kommen  ebenfalls ganz zauberhafte Motive heraus. Er kann sich aber ebenfalls von Old- oder Newschool-Motiven inspirieren lassen.

 

Studio: @82gradtattoo

https://www.instagram.com/p/BAZRUl7xieS/?taken-by=82gradtattoo

 

Trash Polka

 

Schon der Name wirkt wild, experimentell und künstlerisch. In den 2000er Jahren etablierte das Studio Buena Vista Tattoo Club (https://buenavistatattooclub.de) unter den Künstlern Simone Pfaff und Volker Merschky diesen besonderen Stil. Das Studio ist weltweiter Vorreiter des Trash Polka Stils. Dieser ist mittlerweile in sämtlichen Studios der Welt angekommen und wird vielfach adaptiert.

Diese Tattoos zeichnen sich durch die schwarze und rote Farbwahl sowie realistische und grafische Elemente aus. Häufig sind großflächige Motive, die der Tattoo-Künstler direkt auf dem Kunden entwirft.

Studio: @buenavistatattooclub

 

Trash Polka Tattoo by Volko Merschky & Simone Pfaff @trashpolkaofficial #trashpolka #buenavistatattooclub #volkomerschky #simonepfaff

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Japanisch/Irezumi

 

Wer hier an Schriftzeichen denkt, liegt nicht völlig falsch, jedoch deckt die japanische Tätowierkunst eine wesentlich breitere Themenauswahl an, als man zuerst erwartet.

Die älteste Tätowierung dieser Stilrichtung lässt sich auf 500 v. Chr. datieren, damals wurde die Farbe manuell eingebracht. Diese Methode wird zwar noch angewandt, häufiger ist jedoch die elektrische Tätowierung. Es existieren eine Vielzahl klassischer Motive wie Wind, Wasser, Masken, Geishas, Blüten, Tiere oder Krieger. In Japan werden besonders großflächige Tätowierungen (sog. Bodysuits) häufig von den Yakuza getragen und haben, trotz ihrer Schönheit, einen negativ behafteten Ruf.
Diese Stilrichtung kann farbig oder schwarz/weiß gestochen werden.

 

Studio@whitefoxgallery

 

 

Oldschool/Traditional

 

Anker, Pin-Ups, Leuchttürme, Kreuze und Schiffe sind nur ein kleiner Auszug aus der Oldschoolsparte. Ursprünglich von Seefahrern getragen, sind diese Tattoos Zeichen der Sehnsucht und gemeisterten Herausforderungen aber auch von Träumen und Glücksbringern. Der Stil zeichnet sich durch klare, reine Farben und Flächen, breite Linien und in sich abgeschlossene Motive aus. Oft verbleiben diese unverbunden auf der Haut, soll aber doch der Eindruck einer geschlossenen Fläche erweckt werden, können die Bilder mithilfe von „Stars n Dots“ verbunden werden.

 

Studio: @roseofnomanslandberlin

https://www.instagram.com/roseofnomanslandberlin/

 

 

Newschool/ Neotraditional

 

Der Neotraditional bedient sich an Vorlagen verschiedener Stilrichtungen, wie der Name schon sagt, besonders aus dem Oldschool Bereich. Klassische Motive werden aufgegriffen, weiterentwickelt und gemischt – häufig werden Farbverläufe, Highlight und aufwändigere Schattierungen eingesetzt, die Outlines bleiben jedoch prägnant. Die Grenze zum Comic kann fließend verlaufen – hier werden Motive cartoonartig und knallbunt tätowiert, ebenfalls mit vielen unterschiedlichen Farben, Schatten und hellen Elementen. Der Stil kann aber ebenfalls düster und edel interpretiert werden.

 

Studio @sticksandstonesberlin

Thanks Martin for sitting strong through your first tattoo. @sticksandstonesberlin @tatsoul

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Wasserfarbe/Aquarell/Painting

 

Dieser Stil ist relativ neu, entwickelt sich noch stetig weiter und lotet seine Möglichkeiten aus. Er reicht von Wasserfarben-Bildern, die wirken, als seien sie mit dem Pinsel aufgetragen über das Nachstechen berühmter Gemälde bis zur Symbiose aus grafischen Linien und farbigen Flächen. Von verspielt bis zu expressionistisch ist eine große Bandbreite an Motiven möglich.

 

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Biomechanik

H.R. Giger (der übrigens auch für das Artwork/Szenen- und Kostümbild von „Alien“ verantwortlich war) definierte den Begriff Biomechanik, wie er in der Kunst gebraucht wird. Mensch und Maschine verschmelzen zu einer Einheit, die Mechanik verbessert das biologische Wesen, macht es stärker, resistenter aber auch unberechenbarer.

In Tätowierungen wird es meist durch scheinbar gerissene Haut dargestellt, unter der dann die Biomechanik zu sehen ist.

 

Studio: @corpsepainter

 

Andere Motive und Möglichkeiten

 Natürlich gibt es noch ungefähr 46729764 weitere Motive und Möglichkeiten, eine Tätowierung zu stechen. Viele klassische Motive wie etwa Blumen, Kreuze oder Tiere bedienen sich den vorgestellten Stilen, deshalb sind sie nicht explizit aufgeführt. Wichtig ist, dass Du Deine Kreativität einsetzt, um ein wirklich individuelles Motiv zu erhalten. Falls Du kein künstlerischer Typ bist, ist es um so wichtiger, einen guten Tätowierer zu finden, damit dieser ein einmaliges Flash nach Deinen Wünschen zeichnen kann.

Ein Flash ist ein selbstgemaltes Bild eines Tätowierers – oft schmückt eine ansehnliche Anzahl gerahmter Bilder die Wände eines Studios, wo die Künstler ihre Ideen ausstellen und ihr Können auf Papier zeigen. Das Ausstellen selbst gezeichneter Werke kann ein gutes Indiz für die Qualität eines Studios sein, denn es zeigt, dass niemand sein Können verstecken muss. Vorsichtig solltest Du sein, wenn in Studios lediglich Vorlagenkataloge aufgestapelt sind und es keine Anzeichen für künstlerische Aktivitäten des Tätowierers gibt.

Eine Menge guter Inker tummeln sich auf den Plattformen Instagram, Facebook, Pinterest und Tumblr, hier findest Du mit Sicherheit viele Gute Künstler und Studios, die als Anlaufpunkt dienen können.

 

 

Quellen: 

www.edo-tattoo.de
www.tattoo-spirit.de/ts/?p=6221
www.sleazemag.com
http://giahi.ch/styles.html

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