Über den Tod hinaus – Die Konservierung von Tattoos

In unseren Tattoos steckt viel Herzblut – wir investieren schließlich auch einiges, um am Ende genau das Tattoo zu haben, das wir uns vorstellen. Die Liebe zum Motiv, die Schmerzen beim Stechen und natürlich auch die Kosten des Körperschmucks tragen dazu bei, dass wir eine enge Bindung zu unserem Tattoo entwickeln. Am Ende haben wir ein tolles Ergebnis, das bis unser Lebensende hält. Aber muss es danach auch unwiderruflich verschwinden? Die „National Association for the Preservation of Skin Art“ (NAPSA) meint: Nein. Sie hat eine Möglichkeit gefunden, Tattoos über den Tod hinaus zu erhalten.

Save my Ink

Mit ihrer Initiative „Save My Ink“ macht es die NSPSA Tattoo-Trägern möglich, ihre Kunstwerke auch nach ihrem Tod weiter zu „zeigen“ – das Tattoo wird konserviert und eingerahmt.

Bis jetzt konnten Verwandte nur durch Gegenstände oder Besuche auf dem Friedhof Erinnerungen an Verstorbene aufkommen lassen. Die Konservierung von Körperschmuck ist eine neue Methode der Erinnerung, Angehörige können sich das Tattoo an die Wand hängen und für immer behalten. Irgendwie auch ein komischer Gedanke, oder?

Die Idee zu „Save My Ink“ hatte der US-Amerikaner Chales Hamm, der selbst unzählige Tattoos auf seinem Körper trägt. Mehr als 150 Stunden lag er unter der Nadel, zehntausende Dollar haben ihn seine Tattoos gekostet. Für ihn sind Tattoos nicht nur Körper-Kunstwerke, sie haben auch eine tiefe persönliche Bedeutung. Mit dem Gedanken, dass seine Tattoos nach seinem Tod verloren gehen würden, konnte der 60-jährige sich einfach nicht anfreunden.

Nachdem Hamm viel Gewicht verloren hatte, ließ er sich überschüssige Haut in einer Operation entfernen. Diese Haut wurde danach jedoch nicht entsorgt, schließlich trug sie wertvolle Körperkunst auf sich. Die Tattoos, die auf diesen Stellen waren, wurden konserviert – von diesem Beginn an perfektionierte Hamm den Prozess der Konservierung, bis er ihn seinen heutigen Kunden anbieten konnte.

Wie läuft die Konservierung ab?

Wer seine Tätowierung nach dem Tod konservieren lassen möchte, muss sich das schon während seiner Lebzeiten gut überlegen. Interessierte informieren die NAPSA und melden sich dann bei der Aktion an. Das ganze Kostet einmalig 115 Dollar, hinzu kommt ein jährlicher Mitgliederbeitrag von 60 Dollar. Für diesen Beitrag übernimmt der gemeinnützige Verein dann wiederum bis zu 2000 Dollar von den Kosten, die bei der Konservierung des Tattoos aufkommen.

Wenn die Zeit des Tattoo-Trägers dann gekommen ist, setzt sich die Initiative mit dem jeweiligen Bestattungsunternehmen in Verbindung, um das betreffende Stück Haut zu entnehmen. Je nach Größe des Tattoos kann die Entnahme ziemlich aufwendig sein. Es dauert dann noch drei bis sechs Monate, bis das konservierte Tattoo an die Familie des Verstorbenen geschickt wird. Darüber, dass die Tattoos an der Wand mit der Zeit verblassen könnten, muss man sich nicht sorgen, da die Tinte sogar heller hervortritt, wenn man die Hautschichten entfernt. Das Tattoo wirkt farbglich also noch intensiver als auf der „lebendigen“ Haut.

Der Service von der NAPSA wird momentan noch nur in den USA angeboten, Gründer Charles Hamm hofft jedoch, seine Idee bald global verwirklichen zu können.

Tattoo-Präparation in den Niederlanden

Im Jahr 2013 hatte der Holländer Peter van der Helm die gleiche Idee, auch er wollte die Lebensdauer von Tattoos unabhängig von der seines Trägers machen. Er präpariert seitdem Tattoos, verwandelt sie sozusagen in Plastik. Die Idee kam ihm, weil tätowierte Kunden ihm immer wieder gesagt haben, dass sie sich nach ihrem Tod am liebsten mal in einem Museum ausstellen lassen wollen würden.

Um es möglich zu machen, das Tattoo für die Nachwelt zu erhalten, schneidet ein Pathologe die Tattoos nach dem Tod aus der Haut. Dann taucht er sie in Formaldehyd oder friert sie ein. Anschließend werden sie mit flüssigem Polymer und Silikon präpariert. So wird das Kunstwerk ewig weiterleben.

Tattookonservierung – eine jahrhundertealte Idee

Es gibt Sammlungen von herausgeschnittenen Tätowierungen in Museen in Amsterdam, Krakau, Tokio und London. Diese Ausstellungsstücke sind teilweise mehrere Jahrhunderte alt, die Menschen hatten also schon früher das Bedürfnis, ihre Körperkunst für die Nachwelt zu erhalten. Ein Beispiel für einen Tattoo-Sammler war der persische Chirurg Dr. Villette. Ende des 19. Jahrhunderts arbeitete er in einem Militärkrankenhaus. Er entnahm die Tattoos gefallener französischer Soldaten und präservierte sie für die Nachwelt.

Schweizer ist lebendiges Tattoo-Kunstwerk

Obwohl er noch nicht einmal tot ist, hat ein Schweizer sein großes Rücken-Tattoo schon der Nachwelt versprochen. Tim Steiner verkaufte seinen Rücken an den Hamburger Kunsthändler Rik Reinking, der 180.000 Euro für die bemalte Haut bezahlte. Wird der Tattoo-Träger Tim sterben, so geht das konservierte Tattoo an den Kunsthändler. Stirbt dieser jedoch vor dem Tätowierten, bekommen seine Kinder das Kunstwerk und können es weiterverkaufen. Das Tattoo wurde von dem Künstler Wim Delvoye entworfen, es zeigt eine betenden Maria und einen Totenschädel. Neben der Weitergabe seiner Haut nach dem Tod hat sich Steiner dazu verpflichtet, sich dreimal im Jahr ausstellen zu lassen. Er posiert dann auf Messen und Ausstellungen.

Vor- und Nachteile konservierter Tattoos

Wenn die Angehörigen eines Verstorbenen auch selbst den Wunsch haben, ein Tattoo als Erinnerung zu behalten, ist die Konservierung der Haut die einzige Möglichkeit dazu. Es ist nicht Jedermanns Sache, ein Stück Haut in einem Rahmen an die Wand zu hängen. Wenn die Familie kein Interesse daran hat, sollte niemand darauf bestehen ein Hautstück konservieren zu lassen. Daher ist Kommunikation über einen solchen Schritt im Vorfeld wichtig. Egal, wie teuer oder aufwändig das Tattoo ist, der Träger wusste beim Stechen, dass es auf der Haut bleiben würde –  auch nach dem Tod. Nur um längerfristig etwas von der Investition in ein Tattoo zu haben (damit sich das Stechen auch wirklich gelohnt hat), sollte kein Tattoo erhalten bleiben. Wer sich für die Konservierung eines Tattoos entscheidet, sollte diesen Entschluss nicht aus finanziellen Gründen fällen, sondern weil er seiner Familie etwas persönliches und bedeutsames hinterlassen möchte.

Als Erinnerungsstück kann es für manche eine schöne Sache sein, andere wiederum erinnert es wohlmöglich nur schmerzlich an den Verstorbenen, da es eingerahmt häufig ins Blickfelg gelangt. Jede Familie muss für sich selbst entscheiden, wie sie trauern und sich erinnern möchte. Generell ist es aber eine coole Sache, dass es überhaupt die Möglichkeit dazu gibt.

Was haltet ihr denn von der Konservierung von Tattoos? Könntet ihr euch vorstellen, eure Tattoos nach dem Tod weiterzugeben? Würdet ihr euch ein solches Kunstwerk an die Wand hängen?

https://blogs.ucl.ac.uk/researchers-in-museums/tag/preserved-tattooed-skin/

http://www.sciencemuseum.org.uk/broughttolife/objects/display?id=10413

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