Szenetattoos-Wiederkehrende Motive

Tätowierungen lassen sich seit Jahrtausenden in den verschiedensten Ländern und Bevölkerungsschichten nachweisen, wie ihr bei uns nachlesen könnt. Die ältesten Hinweise auf Tattoos sind etwa 12.000 Jahre alt. Hierbei handelt es sich um Ornamente auf Skulpturen mit menschlicher Form. Diese werden jedoch von der Archäologie nicht zweifelsfrei als Tätowierungen anerkannt, deshalb schätzt man die erste tatsächliche Tätowierung auf ein Alter von 5400 Jahren. Ihr Träger war der bekannte Ötzi, der in den Alpen zwischen Österreich und Italien gefunden wurde. Dieser Fund beweist, dass Tattoos, entgegen landläufiger Annahmen, nicht nur bei afrikanischen oder südamerikanischen Urvölkern entstanden und verbreitet sind sondern ihnen auch in unserem Kulturkreis schon lange eine wichtige Bedeutung zukommt. Tätowierungen ziehen sich zudem durch alle Bevölkerungsschichten, auch Herrscher und hohe Krieger trugen die Körperverzierungen, um ihren Rang zu demonstrieren oder maßen ihnen spirituelle Kraft bei.

Durch diese lange Tradition haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Stile und wiederkehrende Motive herausgebildet. Da sich die Motive teilweise parallel entwickelt haben, besitzen einige klassische Tattoos wie etwa der Anker auch mehrere Bedeutungen. Einerseits kann er für ewig währende Liebe stehen, man hat praktisch seinen Hafen in jemandem gefunden. Andererseits haben ihn sich viele Seefahrer stechen lassen, nachdem sie den Ozean überquert hatten.

Tätowierungen dienten demnach als Erkennungsmerkmal im positiven und negativen Sinne, konnten Gruppenzugehörigkeit symbolisieren oder verbreitete Werte durch festgelegte Motive transportieren. Einige davon sind sehr alt, bis heute erhalten und stellen beliebte Tattoo Motive dar.

Doch Vorsicht: es besteht ein Unterschied zwischen klassischen Tätowierungen und einem Trend: die Klassiker wurden/werden häufig nach bestimmten Erlebnissen gestochen, die diese symbolisieren sollen, ihre Bedeutung ist oft viele hundert Jahre alt. Ein Dreimaster bedeutete, dass man mit einem solchen auf See war. Im Bereich der Gefängnistätowierungen kann ein Dolch durch den Hals andeuten, dass man jemanden getötet hat und es wiederholen würde. Diese Bedeutungen sind heutzutage natürlich verschwommen, da viele Menschen sich diese Motive aus ästhetischen Gründen stechen lassen, manchmal wissen sie nicht einmal um ihre Tradition.
Trend Tattoos blicken meist auf keine gewachsene Sinnbildung zurück. Sie gelangen durch die schnelle Online-Verbreitung zu großer Bekanntheit, oft dadurch, dass Stars oder Celebrities sie tragen. Justin Bieber, Miley Cyrus oder Lana del Rey prägten Tattoo Trends, ihre Fans ließen sich vermehrt kleine Pfeile, Kreuze, Federn oder Schriftzüge an der Hand stechen.
Sogenannte „Oldschool“-Motive, wie brennende Herzen, Schwalben und Spielkarten sind wahre Evergreens, die immer wieder gestochen werden. Star-Tattoos haben ihren Zenit oft nach kurzer Zeit überschritten und werden durch neue Symbole ersetzt.

Aus diesem Grund beschränken wir uns auf langfristige Symboliken, die ihre tiefergreifende Bedeutung auch in Zukunft noch beibehalten werden.

Die Träne und das Spinnennetz
Die Träne ist, wie das Spinnennetz, ein klassisches „Knast Tattoo“. Ursprünglich sollte es die Leiden eines Insassen darstellen, auch deshalb wurde es vermehrt von Langzeitgefangenen getragen. Gleichermaßen kann es auch für einen Mord stehen oder die Trauer um eine vertraute Person ausdrücken, die entweder gestorben ist oder der etwas Schlimmes zugestoßen ist.
Das Spinnennetz-Tattoo wurde früher ebenfalls vermehrt unter Inhaftierten getragen, allerdings kann man heute keinesfalls von diesem Motiv auf einen ehemaligen Gefangenen schließen. Vor allem in Subkulturen ist das Spinnennetz beliebt, auch hier sollte man sich hüten, auf Gefangenschaft oder politische Ansichten zu schließen.

Würfel, Karten, Eightball
Typische „Gambling“ Symbole findet man vermehrt in der Rockabillyszene oder auch in Verbindung mit Darstellungen von Frauen oder Alkohol („Man´s ruin“). Sie können für Risikobereitschaft, persönliches Glück oder Pech sowie für simplen Spaß stehen. Da sie wie erwähnt auch mit Musik in Verbindung gebracht werden, treten sie innerhalb dieser Szene vermehrt auf um Zugehörigkeit zu symbolisieren, nicht weil der Träger eine engere Verbindung zu diesen Motiven hat.

Allsehendes Auge
Die Augen gelten als Spiegel der Seele und sind auch allein ein beliebtes Tattoo. Das sogenannte Gottesauge jedoch steht in tiefem ikonografischen Zusammenhang. Ihm werden verschiedene Bedeutungen nachgesagt – zum einen verkörpert es die Dreifaltigkeit: den Vater, den Sohn und den heiligen Geist. Da es allsehend ist, ruft es zu moralischem Handeln auf und dazu, die Welt zu hinterfragen und nach Weisheit zu streben. Entgegen der weitverbreiteten Annahme ist das Tattoo-Motiv kein Erkennungsmerkmal der Illuminaten, diese haben die „Eule der Minerva“ zu ihrem Symbol auserwählt.

Eule
Vor kurzem erfreuten sich Eulen-Tattoos großer Beliebtheit, viele Menschen lassen sich von ihrer geheimnisvollen Ausstrahlung und Schönheit in den Bann ziehen. Dabei ist dieses Tier historisch betrachtet, ein sehr altes Tattoo Motiv. Schon die Griechen stigmatisierten ihre Kriegsgefangenen mit einer Eule, dem Zeichen Athens. Heute steht die Jägerin der Nacht für Weisheit, Intelligenz und Bildung.
In vielen Kulturen gilt sie als Wächterin der Toten, auch im Christentum repräsentiert sie Trauer und Tod. Außerdem ist die Eule das Wappentier der Illuminaten, diese wählten sie aus, da sie die römische Göttin der Weisheit repräsentiert.

Tribal/Ethno
Der Begriff „Tribal-Tattoo“ ist heute negativ besetzt, da ihn viele mit dem Trend der Neunziger in Verbindung bringen und dabei direkt an schlecht gestochene Arschgeweihe denken.
Die eigentliche Bedeutung geht allerdings viel tiefer und ist stilübergreifend. Tribal besagt, dass es sich um traditionelle Tätowierungen handelt, meist bezieht man sich auf Eingeborene aus Polynesien, Südamerika oder dem australischen Raum. Jede Volksgruppe besitzt einen ganz eigenen Stil, ihre Körper zu schmücken. Durch die Tattoos sprechen Erfahrungen, Status, Hoffnungen und spiritueller Glauben, die den Träger begleiten und unterstützen sollen.
Besonders der Maori-Stil erlangte in der westlichen Welt vermehrte Beliebtheit und knüpft an uralte Traditionen an. Ob jedes dieser Motive allerdings eine so tiefe Bedeutung wie dessen Vorbilder hat, ist ungewiss.

Lotos und Koi
Asiatische „Irezumi“, wie man die traditionelle japanische Tätowierkunst nennt, sind angefüllt mit symbolträchtigen Figuren, Tieren, Pflanzen, Fabelwesen und Symbolen. Diese lassen sich zu einem harmonischen Ganzkörper-Tattoo verbinden, dem sog. „Bodysleeve“. Das ist natürlich keine Pflicht, es sind auch einzelne Körperteile oder Motive möglich. Trotzdem wird hier nichts dem Zufall überlassen, jeder Bereich ist mit einer speziellen Bedeutung gefüllt.
Besonders beliebt ist der Koi Fisch. Er gilt als langlebig und stark, da er vermehrt gegen den Strom schwimmt. Diese Kraft soll sich auf den Träger übertragen und ihm Glück bringen. Weiterhin besagt eine Legende, dass sich der Koi in einen Drachen verwandelt, wenn er seine Reise zum goldenen Tor vollendet hat.
Blüten gibt es in der japanischen Tattoo-Tradition in vielen Formen und Farben, die Lotosblume vereint eine Vielzahl positiver Eigenschaften in sich und ist daher ein vielgestochenes Bild. Die Pflanze verheißt Glück, Wahrheit und soll die Reinheit der Seele unterstützen. Sie findet sich ebenfalls in der buddhistischen Ikonografie und wird in diesem Zusammenhang oft benutzt. Eine direktere Sinngebung referiert darauf, dass ihre prächtige Blüte im Sumpf und an schlammigen Tümpeln wächst: Übertragen bedeutet es, dass die Schönheit aus der Dunkelheit hervorgehen und an unerwarteten Plätzen warten kann.

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Sugarskull und La Catrina
La Catrina, die weibliche Entsprechung des Sugar Skull und dieser entstammen einer südamerikanischen/mexikanischen Tradition, dem Día de los muertos, dem Tag der Toten. Der Feiertag zählt zu einem der höchsten und ähnelt unserem Allerheiligen, jedoch glaubt man hier, dass die Toten an diesem Tag zu den Lebenden zurückkehren um mit ihnen zu feiern und zu speisen. Es gibt eine männliche (Sugar Skull) und weibliche (La Catrina) Form des Motivs, die zu dem sogenannten Chicano Stil gezählt werden.
Der Sugar Skull ist ein Totenkopf, der bunt bemalt ist, häufig lacht und üblicherweise einen Bart und den Sombrero trägt. Blumen, Ranken und Symbole schmücken seinen Schädel. La Catrina wird von einer oft hübschen Frau vertreten, die im Gegensatz zu ihrem Pendant jedoch noch Haut besitzt. Diese ist ebenfalls Bemalt, jedoch wirkt sie, besonders in tätowierter Form, eher düster und gefährlich, trotz gelegentlichem Lachen.
Träger dieser Motive haben oft eine besondere Beziehung zum Tod und der Vergänglichkeit, die jedoch nicht zwangsläufig negativ geprägt sein muss.

Sugar Skull

La Catrina


Spinne
Die Spinne kann für Harmonie, Familiensinn, Weisheit und Ausgeglichenheit stehen. Im Christentum wird Jesus von einer Spinne gerettet, daher kann sie im theologischen Kontext auch diese Bibelstelle repräsentieren. Andererseits gehen andere Deutungen auch von Geiz, Grausamkeit und dunklen, bösen Vorhaben aus.

#fabiannitz #rose_of_no_mans_land

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Quellen:
http://www.edo-tattoo.de/tattoogalerie-team-artwork/felix-tattoogalerie/geschichte-bedeutung-japanischer-tätowierungen/
http://www.illuminaten.org/illuminaten/die-symbole-der-illuminati
http://www.tetoviranje.com/languages/deutch/Povijest.aspx
http://www.tattoo-spirit.de/ts/?p=1282
http://info.publicintelligence.net/CBSA-TattooHandbook.pdf
http://tattop.de/motive/tier/die-bedeutung-der-taetowierung-spinne/

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