Gegensätze ziehen sich an

Zwei Tattoo-Trends, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Wir stellen euch heute zwei extrem gegensätzliche Trends in der Tattooszene vor: das Blackout und das Watercolor-Tattoo. Beide Stile haben in der letzten Zeit enorm an Popularität zugenommen und bekommen in den sozialen Medien große Aufmerksamkeit. Die Fangemeinde dieser Techniken nimmt immer mehr zu – unzählige Bilder lassen sich unter den entsprechenden Hashtags finden.

Schwarz, schwärzer, Blackout
Wer sich tattoomäßig mal so richtig vom Mainstream abheben will, dem gefällt vielleicht dieser neue Trend – Blackout-Tattoos gehen auf sozialen Medien zurzeit viral. Was das ist? Eine großflächige schwarze Tätowierung, die von weitem fast wie schwarze Kleidung wirkt.

Ein von Nine Mag (@ninemag) gepostetes Foto am

Ein Blackout ist wie ein normales Motiv, nur andersherum: anstatt das Motiv selbst zu stechen, sind es die Flächen um das Muster oder Motiv herum, die ausgemalt werden. Das Ergebnis erinnert ein wenig an die Körperbemalung indigener Völker, wie sie wir euch bei unserer Weltreise durch die Welt der Tattoos schon {LINK} vorgestellt haben.

Entstehung von Blackouts
Der Tätowierer Chester Lee hat den Trend ins Leben gerufen, er praktiziert die Technik in seinem Studio in Singapur bereits seit fünf Jahren. Lee ist maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass Blackouts gerade zu einem neuen Internet-Trend heranwachsen. Auf seinem Instagram-Kanal postet er regelmäßig seine Werke und erhält dafür tausende Likes.

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Mit Dotwork, fantasievollen Ombréverläufen oder Spitzenmustern an den Rändern werden die schwarzen Flächen zu einem einzigartigen Hingucker.
Der Stil ist definitiv sehr extrem und trifft nicht den Geschmack von jedem. Manche entscheiden sich für ein Blackwork, weil es ihnen einfach gefällt, viele wollen damit jedoch ungeliebte Tattoos verdecken. Oft dient diese Technik also als Cover-up, wenn auch in einer radikalen Form. Die Überdeckung eines Tattoos ist günstiger als eine Laserbehandlung, weshalb viele sich lieber dafür entscheiden.

Nachteile von Blackouts
Ein Nachteil ist bei der Größe der Blackout-Tattoos relativ offensichtlich: die Schmerzen. Es dauert sehr lange, bis diese riesigen Flächen komplett ausgefüllt sind. Besonders schmerzhaft wird es, wenn das Blackout als Cover-Up genutzt wird. Da die Haut schon einmal gestochen wurde, ist sie schmerzempfindlicher. Ein echtes Blackout zu bekommen ist also kein Zuckerschlecken!

Ein weiterer Nachteil des neusten Trends ist außerdem, dass bei so großflächiger schwarzer Bedeckung der Haut eine wichtige Sache sehr schwierig wird: das Hautkrebs-Screening. Ein Arzt kann nicht mehr wirklich erkennen, wie die Haut unter einem solchen Tattoo sich entwickelt und ob es möglicherweise zu Veränderungen kommt.

Blackout – ein Radikaler Schritt
Abgesehen von den Schmerzen, die das Stechen eines solchen Tattoo verursacht, müssen sich Liebhaber dieser Methode bewusst sein, dass Blackwork ein deutlich radikalerer Schritt ist als ein „normales“ Tattoo oder Cover-up. Die Farbe kann in dieser Intensität nicht wieder entfernt werden, sogar mit einer aufwändigen und schmerzhaften Laserbehandlung wird das schwierig. Bei einem Blackout gilt daher erst recht: Nur, wer sich 100%ig sicher ist, dass ihm dieser Trend auch noch in vielen Jahren gefällt, sollte sich ein solches Tattoo stechen lassen.

Krasser Kontrast: Watercolor/ Aquarell
Watercolor-Tattoos sind bunt und verspielt. Sie erinnern einen an das Kindesalter, in dem man fröhlich mit dem Malkasten drauf losgepinselt hat. Jedes Motiv lässt sich mit dieser Technik farblich aufpeppen.
Diese ästhetisch ansprechende Körperkunst ähnelt stark den freien Formen der Aquarellmalerei, weshalb sie auch unter „Aquarell-Tattoos“ bekannt ist. Die Inspiration für diesen Stil kommt aus der bildenden Kunst, wo sich die Maltechnik auch erst zu einem eigenen, anerkannten Genre entwickelt hat. Die Künstler arbeiten mit hellen Farben, abstrakten Inspirationen, zurückhaltenden Konturen und sanfte Übergängen.
Die Farben verlaufen scheinbar auf der Haut und fließen wie Wassermalfarbe direkt ineinander – bei dem Anblick fällt es schwer zu glauben, dass es sich bei den Watercolor-Tattoos tatsächlich um dauerhafte Tattoos handelt. „Das soll eine Tätowierung sein?“, fragen sich diejenigen, die auf den Tätowierstil mit seinen klaren Outlines und satten Farben schwören.

Vielfältige Motive
Prinzipiell lässt sich jedes Design in der Wasserfarben-Technik auf bzw. in die Haut stechen. Zu beliebten Motiven zählen zum Beispiel Tiere, Pflanzen und Mandalas. Einige Tätowierer verzichten sogar auf die Konturierung und kreieren ein Bild ausschließlich mit den unterschiedlichen Farben. Andere wiederum zeichnen zuerst die Outlines und greifen dann zur Farbe. Der charakteristische transparente Effekt entsteht, indem mehrere Nuancen einer Farbe benutzt werden.
Egal für welches Motiv man sich entscheidet, der Effekt sollte der Gleiche sein: am Ende wünscht man sich ein Motiv, das auf der Haut zu schweben und mit ihr zu verschmelzen scheint.

Eine Frage der Technik
Damit Aquarell-Tätowierungen die beabsichtigte Wirkung erzielen, muss sich der Tätowierer genau mit der Maltechnik beschäftigen. Es ist eine vollkommen andere als die, die bei der Herstellung eines auf Papier gemalten Aquarells angewandt wird. Dem Tätowierer stehen keine weichen Pinsel, keine saugfähige Papierunterlage sondern nur seine Tätowiermaschine und die Haut seines Kunden zur Verfügung. Das sind ganz andere Herausforderungen – trotzdem sollen die Ergebnisse so ähnlich wie nur möglich ausfallen.
Die Wirkung des Tattoos beruht auf der aufeinander abgestimmten Leuchtkraft der Farben und gelungenen Farbüberlagerungen. Um auf der Haut das schwebende Bild von Leichtigkeit zu erzeugen, muss das Zusammenfließen der Farben perfekt geplant sein. Es kommt auf den Moment des Zufalls an: es soll schließlich so aussehen, als würden nasse und trockene Farben aufeinandertreffen und miteinander zerfließen.

Perfekte Voraussetzungen
Die Leuchtkraft der Tattoos kommt besonders zur Geltung, wenn die Haut des Trägers hell ist. Diesen Effekt kennt man ja auch von dem Malen auf Papier – die knalligen Farben sind auf weißem Grund am intensivsten. Damit der schöne Farbeffekt auch auf lange Sicht erhalten bleibt, sollte der Träger eines solchen Tattoos besonders darauf achten, dass die tätowierte Haut nicht der Sonnenbestrahlung ausgesetzt wird. Wie ihr euer Tattoo am Besten vor der Sonne schützt, könnt ihr bei uns HIER nachlesen. (LINK)
Körperstellen, die in der Regel von Bekleidung bedeckt sind, eignen sich demzufolge auch besser für ein Watercolor-Tattoo als öfter freiliegende Körperpartien, wie Hände, Unterarm und Füße.

Die Farbwahl
Prinzipiell könnt ihr euch jede Farbe für ein Watercolor-Tattoo aussuchen. Frauen fühlen sich eher von diesem Stil angezogen, da die Tattoos filigran und leicht wirken. Viele weibliche Tattoo-Fans greifen dabei auf Pastelltöne zurück – Rosa, Türkis und Hellgrün sind Beispiele für beim Aquarell-Tattoo beliebte Farben.
Männer sind zwar in der Minderheit was diesen Trend angeht, werden jedoch selbstverständlich auch nicht ausgeschlossen. In der Farbwahl unterscheiden sich die Geschlechter etwas, viele Männer favorisieren eher dunklere Grün- und Blautöne.

Nicht zu viel
Wichtig bei Aquarelltattoos ist es, dass genug Platz zur Verfügung steht. Wird das Tattoo zwischen andere Stile und Motive gequetscht, wirkt es nicht mehr so gut. Ob das Motiv nun schwarz geoutlined wird oder nicht, wichtig ist, dass das Zusammenspiel aus Formen und Farben stimmt. Daher ist es notwendig, dass ihr zu einem erfahrenen und guten Tattoo-Artist geht, der sich mit Watercolor-Tattoos auskennt. Im Internet könnt ihr euch inspirieren lassen und die verschiedenen Studios vergleichen.

Nachteile von Watercolor
Kritiker von Watercolor-Tattoos argumentieren, dass die Tattoos eine viel kürzere Haltbarkeit haben als klassische Techniken. Das kann aufgrund der Neuartigkeit dieser Technik jedoch nicht belegt werden. Viele befürchten, dass nach 10 oder 15 Jahren nach dem Stechen nur noch ein Farbfleck zu sehen sein wird, die verschiedenen Kleckse ineinander verlaufen und deshalb unansehnlich werden. Ja, es stimmt, dass manche Watercolor-Tattoos keine dunklen Konturierungen haben. Daher ist es möglich, dass die Farbe schneller verblasst. Es ist wahrscheinlich eher nötig, das Tattoo nachbearbeiten zu lassen, als es bei einer anderen Technik der Fall wäre. Darauf müssen sich die Träger eines Aquarelltattoos einstellen. Ein weiteres Argument ist, dass es sich nur um eine Modeerscheinung handeln würde, vergleichbar mit dem berüchtigten „Arschgeweih“ aus den 90ern.

Die Zeit wird es zeigen
Ob Blackouts und Watercolor-Tattoos nur eine modische Eintagsfliege sind, werden die kommenden Jahre zeigen. Am Ende ist die Entscheidung, sich ein Tattoo stechen zu lassen (egal mit welcher Technik) eine extrem persönliche Angelegenheit. Niemand sollte sich dabei nur nach den momentanen Trends richten, sonst wird die Person diese Entscheidung in ein paar Jahren mit Sicherheit bereuen.

Quellen:
http://www.spiegel.de/fotostrecke/tattoos-die-schoensten-blackout-taetowierungen-fotostrecke-136595.html
http://www.20min.ch/schweiz/news/story/-Blackout-Tattoos-kommen-gerade-in-Mode–31325689
http://www.welt.de/vermischtes/article154679936/Dieser-Trend-kann-gefaehrlich-werden.html
http://www.rockandroad.de/tattoo/motive/aquarell-tattoos_144.html
https://www.popsugar.de/beauty/Aquarell-Tattoos-41212669

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